Donau-Flusswanderung von Ingolstadt nach Straubing

Z W E I   W I E N E R   I N   B A Y E R N – der scheiss fluss is a scheiss see!


16.08. 2018 – TAG 1 – PASSAU
Zwischenstopp mit dem Auto auf dem Weg nach Ingolstadt. Hunger. Kultur. Drei Flüsse.
Ich les‘ immer: „Passau – die drei-Füsse-Stadt“. Klosterkirche. Veste Oberhaus.
Biergarten. Knödel. Prost.

Ingolstadt, Ankunft beim geschlossenen Bootsclub am Parkplatz davor, nachts. Musste kacken. Drama im Wald. Dunkel. Angst.


17.08. 2018 – TAG 2 – INGOLSTADT
Bootsclub war eh offen.. Auto platziert und Kajaks vom Auto runter gehievt. Ingolstadt anschaun gehen. Renaissance, Eiscafé, Kirche, Biergarten, Knödel, Prost.

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Heimweg, Zeltfest im Klenzepark. Ein großes Bier ist in Bayern ein Maß (1L). Die Österreicher haben keine Ahnung. Die Frau an der Bierkassa lacht mich aus, weil ich natürlich ein großes Bier wollte und das aber mehr als nur a halber Liter is..
Klowagen schon zu.
Alle brunzen in den Klenzepark.
Drei Häschen hüpfen vor mir rum. Man unterhält sich hockend in den Büschen; die Männer brunzen mitten auf der Wiese.


18.08. 2018 – TAG 3 – INGOLSTADT
Lange geschlafen. Schlechtes Gewissen. Nur Knödel und Bier bisher. Nicht so sportlich. Duschen. Kajak bepacken. Bin endlich soweit. Mann geht duschen, verreißt sich beim Einseifen und leidet. Verzögerung. Ich will Knödel. Endlich geht’s los.

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Einbootstelle Ingolstadt – Start

Geht mir schon nach einigen Metern am Oarsch. Ur anstrengend. Geht nix weiter.
Stinkende Plörre, nervige Insekten.
Staustufe Vohburg. Campieren, sonst lass‘ i mi scheiden. Hunger ohne Ende. Kocher kaputt. Kajakluken nicht dicht. Ich verfluche diese Scheissidee.

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Staustufe Vohburg

19.08. 2018 – TAG 4 – WELTENBURG
Scheisse geschlafen. Bei der Vohburger Schleuse mit Kajak geschleust worden, unheimlich wie man mit dem Kajak metertief in einem Betonkasten einsinkt, während das Wasser ab’pumpt wird. Danach etliche Stromschnellen. Haben uns trotz Wildwasserkajakkurs ang’schissen. Umsonst wie sich herausgestellt hat.
Die Bayern scheissen offenbar auf jegliche Verbote. Autos verboten – wurscht. Schwimmen verboten – wurscht. Campen verboten – wurscht. Wo’s geht werden Bierbänke aufgestellt und gefeiert. Natur wird endlich spannend. Forellen springen aus dem Wasser, Schlangen schwimmen rum.

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Weltenburger Kieselstrand – vor dem Kloster

Weltenburger Kloster erreicht. Hunger!
Kloster sperrt um 7; die Küche hat schon um 6 nur noch Brotzeit.
Kajaks mit dem Mann den Kieshügel auffe und umme zum Dorf Weltenburg gezaht. Im einzigen Dorfgasthof die Bayern kennengelernt, die wohl diese Politiker wählen. 14 Männer, 1 Frau. Die Männer spielen Karten und trinken Bier; die Frau ist die Wirtin und mag wohl keine Touristen. Grausliche Käsespätzle und Bier.
Nachts bricht beim illegalen Zeltaufstellen eine Zeltstange. Geklebt. Gestritten.


20.08. 2018 – TAG 5 – WELTENBURG
Schlecht geschlafen. Zum Kloster essen gehen. Schweineteuer. Eierschwammerlsuppe echt gut und der Kirschkuchen is a Wahnsinn! Die Barockkirche der Brüder Asam is a Paradebeispiel für gekonnt überladenen Barockstil.

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Weltenburger Enge

Um die Ecke zur Weltenburger Enge gefahren – was schöneres hab‘ ich kaum gesehen.
Fast 3 Stunden rumgelegen. Ur schön, oida!!

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Weltenburger Kiesel

21.08. 2018 – TAG 6 – KELHEIM
Gestern bei Kelheim die Boote unter größter Anstrengung einige Meter über eine steinige Böschung/Befestigung hinaufgezogen. Donau hat Niederwasser. Oben is a riesiger Parkplatz wo scho wieder a paar alte Säcke einfach so campen. Die campen hier wo sie wollen! Haben uns unter 2 riesigen Bäumen dazwischen gelegt. Wir glauben, es waren  Silberweiden. Essen gegangen. Pizzeria. In diesem Landkreis sagt wohl niemand mehr „Schweinebr[aou]ten“. Heute schaun wir uns Kelheim an.
Anmerkung: Pizzeria La bella vita, Stadtknechtstraße 5, gleich bei den Bootsanlegestellen an der Donau, vor dem sog. Römerturm (Schleiferturm). Nette Leute, gutes Essen, annehmbare Preise. Im Gegensatz: Weltenburger Kloster: erstklassige Küche, erstklassige Preise. Vergleich: Eiskaffee in Weltenburg: € 7.90, La bella vita: € 4.20

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Befreiungshalle Kelheim

Die Pizzeria liegt praktischerweise auf dem Fußweg zur Befreiungshalle. Voll auf Wandern eingestellt und bestiefelt und scho wieder wo eingekehrt und Kalorien aufgenommen. Mein Mann sagt, die trainier’ma eh glei wieder ab. Sportlicher Urlaub..
Wahrscheinlich kommen wir fetter heim, als wir weggefahren sind…
Übrigens: Das Labertaler Mineralwasser is voll gut.

Biere, die ich getrunken bzw. verkostet hab‘: 11_1500300.jpg
– Altbayrisch hell (super im gekühlten Steinzeugkrug!)
– Abensberger
– Augustiner
– Karmeliten (aus Straubing)
– Kneitinger (aus Regensburg)
– Thurn und Taxis Pils – leicht bitter, aber gut
– Arcobräu – leicht und süffig
– Hacker-Pschorr Kellerbier naturtrüb – super
– Chiemseer
– Schierlinger (!!)
– Herrnbräu (!!)
– Bischofshof hell – geht so
– Weltenburger – ganz ok
– Thurn und Taxis hell – geht so
– Hacker-Pschorr hell – ganz ok

Bierbrauen können’s die Bayern. Selbst die „Schlechtesten“ sind immer no besser als unsere besten!

 


22.08. 2018 – TAG 7 – LOHSTADT
Wollten es von Kelheim nach Regensburg schaffen, aber ohne Strömung, späterem Wegfahren und ständigen Motorbooten wurde nichts draus. Zwischendurch hab‘ ich etwas Paranoia gekriegt, weil es in meinem Boot gegluckert hat, als würde eine Badewanne langsam eingelassen werden. Hab‘ mir eingebildet, i lieg‘ plötzlich tiefer im Wasser. Krise mitten am Fluss! Aber eh halbwegs ok. Besonders dicht sind die Boote net, aber es geht irgendwie.
13_1500300Was ma da für Viecher sieht, is als Großstadtkind ur spannend! Diverse Vögel, Enten, Gänse und vor allem der fliegende schwarze Reiher über meinem Kopf war echt a Wahnsinn!
Haben dann um halb 7 mitten im Nirgendwo eine Bootsanlegestelle bei einem großen Hof gesehen und i hab’s glei g’rochen: Ein Gasthof! Hatte eh Hunger wie ein Bär, also simma eine, hab’n gfragt, ob ma auf deren Wiese übernachten dürfen. War wie immer kein Problem.
Hier gibt’s viele von diesen riesigen, rein schwarzen, behäbigen Käfern, die mir ausnahmsweise sympathisch sind. Hab‘ einen angestupst und ihm gesagt, er soll sich einen anderen Platz suchen, weil wir hier das Zelt aufstellen. Er hat’s kapiert und is abgerauscht. Langsam halt.
Jedenfalls kam der Duft vom Gasthof Perzl und als Vegetarier hat ma da echt überall die Arschkarte. Hab‘ aber eh was gefunden bzw. glei 2 Sachen.
Wie gesagt: Hunger wie ein Bär.

Der Mann hat mal wieder Schweinebraten gegessen. Naja, 30 km paddeln is a ka Schaß. Da braucht ma was Urndtlichs. Morgen geht’s weiter nach Regensburg.
Ahja, die beiden Alten im Gasthof hinter mir reden über Ludwig Hirsch’s „Omama“ und österreichische Musik und Ambros und so.
Und übrigens, auch wichtig: In dem Weltenburger Oarsch-Dorfgasthof hängt a Taferl:

„Jeder muss an was glauben und i glaub‘, i trink no einen.“


23.08. 2018 – TAG 8 – REGENSBURG
Unruhige Nacht. Lastenzug oder so (ur laut) genau daneben. Zu schütten begonnen. Zelt von oben und unten nicht dicht… Bin in einer Lacke aufgewacht und hab‘ an nassen Oarsch. In den Gasthof Perzl auf einen Riesenkaffee und einen Bienenstich (Kuchen) gegangen.

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Lohstadt – Gasthof Perzl

Sooo nette Leut‘. I schimpf nie wieder pauschal über die Bayern.
Müssen wohl auch bei Schlechtwetter weiter nach Regensburg. Dort gibt’s einen Bootsclub, der hoffentlich offen hat. Sind aber no 15 km dorthin. Ca. 3 – 3.5 Stunden im nassen Boot paddeln. Puh, des wird oarg.
So, Regensburg. Weil wir so reing’hackelt haben, haben wir es in ca 2.5 Stunden geschafft. Mit Gegenwind. Bäh.
Im Kanuclub gelandet und schnell in die Innenstadt einen Outdoorladen suchen, weil die selbe Zeltstange no amal gebrochen is. Anschließend wieder im Biergarten gelandet und neues bayrisches Bier verkostet und wieder fett gefressen.
Beim kreuz und quer durch die Stadt rennen, um Outdoorladen zu finden, hätt’s mi fast aufg’haut, weil i wie Hans-guck-in-die-Luft alle Häuser anschaun musste. Im dem Laden dann – puh, dann konnt‘ i endlich auf’s Klo – haben’s uns gefragt, wo wir her sind und haben dann glei: „Küss die Hand“ rausgeflötet. Wien nervt mi. Und der ganze Kaisermist.
Regensburg is voll schön. I glaub‘, es schütt‘ glei wieder und wir haben a halbe Stunde Fußmarsch zurück zum Kanuclub und müssen erst das kaputte Zelt reparieren vor dem Aufbau. Dunkel wird’s a glei. Dann gehma halt im Regen; wir stinken eh wie zwei Rollen Quargel.

 

 

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Regensburg – vom Gasthof zur Linde

 


24. 08. 2018 – TAG 9 – REGENSBURG
Mein Mittelfinger (der mit dem Ring) is dick angeschwollen. Dafür schwillt das Bein (Bienenstich) ab. Das Zelt is jetzt halbwegs repariert, aber das Scheissboot is halt immer no undicht. Wir haben irgendwie keinen Bock mehr und suchen dann mal ein Internetcafé, um zu erfahren, ob der Drecksfluss mal irgendwann auch eine anständige Strömung hat. Internetcafés haben nur noch Asiaten und Afrikaner. Hat ja jeder a Smartphone. Meines funktionert aber nicht. Wenigstens war ich endlich mal duschen.
Drecksboot, Dreckszelt, Drecksfinger, Drecksblase, Dreckswespen, Drecksgelsen, Drecksbienen, scheiss nasse Sachen, die im Drecksregen auch nicht trocken werden. Aber im Kanuclub gibt’s einen Bierautomaten. Gekühltes Bier um € 1.50.
Das is super.
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6 Stunden Stadtbesichtigung Regensburg. Bist du deppert, is das geil hier. Und übrigens: Begegnungszone in der ganzen Innenstadt. Funktioniert, wenn ma’s g’wöhnt is. Ich find’s stressig. Wieder Biergarten. Neues Bier ausprobieren.
Schön langsam glaub‘ i, wir machen einen Bierverkostungsurlaub.
Bayrischen Whiskey gekauft und den Dom besichtigt. Von Außen kann sich der Stephansdom warm anziehen, von Innen nicht.


25.08. 2018 – TAG 10 – REGENSBURG
Pensionistenfahrt mit dem Schiff im strömenden Regen nach Walhalla. Neues Bier ausprobiert. Danach in der Sportbar fragen, ob sie Moto GP übertragen. Tun sie nicht, weil Bundesliga is. Aber als wir reingegangen sind, war die Bar bummvoll mit Männern. Keine einzige Frau. Bin mir vorgekommen wie in Hitchcock’s „Die Vögel“.


26.08. 2018 – TAG 11 – REGENSBURG
Morgen werden wir endlich weiterfahren, weil der Regen aufgehört hat, die Wäsche endlich trocken wird und mein Finger fast abgeschwollen ist. 
Biergarten. Bumsti, das Bier da (Bayern) is gut. Kein Scheiss!
Running-Sushi-Touristenfalle erwischt. Nachher heim. Nächster Biergarten am Weg, neues Bier verkostet.


27.08.02018 – TAG 12 – FRENGKOFEN
Fahrt durch die Strudel der steinernen Brücke. Hab‘ mir fast in die Hose gemacht. Aber hab’s geschafft. Einige Stunden gepaddelt unter größter Anstrengung.

Der Scheissfluss is ein Scheisssee!

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Ausbootstelle Frengkofen – Seerosen

Seerosen, Riesenfische, Aale und ölglatte Oberfläche. Ur anstrengend ohne Strömung.
In der Dämmerung eine Ausbootstelle gesucht, weil wir nicht weiter gekommen sind und es dunkel wurde. Frengkofen gefunden. Nur a paar Häuser, 1 Kirche, 1 alter Wirt. Gasthaus zum Schiff, Familie Hahn. Der Herr Josef is ziemlich marod und alleine. Seine Frau is vor 7 Jahren gestorben, seine Knie sind hin. G’schäft gibt’s keins mehr. So schaut auch das Gasthaus aus und riecht so. Er kann kaum gehen, hat uns trotzdem insgesamt 8 Bier geholt und die G’schicht von der ganzen Gegend erzählt. Sehr interessant. Sehr netter, gesprächiger Mensch. Viel hamma g’lernt über alles. Thurn und Taxis, wer g’soffen hat, wer g’storben is, wie das früher so war. Und dass‘ im Mittelalter die Agnes Bernauer in der Donau ertränkt haben, weil’s mit an Fürsten pudert hat. Heut‘ gibt’s a Agnes-Bernauer-Torte und a Agnes-Bernauer-Festival.
Für 8 Bier hat er uns nur € 20.- abgenommen und sein Kater, der Peter, war genauso beinand wie der Herr Josef. Lang simma g’sess’n. Als wir zu unserem Zelt neben der Straße gegangen sind, sagt er: „Komm Peter, gehma ins Bett.“, und der Peter und der Josef sind im Haus verschwunden.


28.08. 2018 – TAG 13 – STRAUBING
In der Früh simma wieder zu Josef und Peter auf an Kaffee gangen und haben weiter gequatscht. Dann um punkt 12 Uhr sind wir weiter auf dem ölglatten Donausee Richtung Straubing gepaddelt. 33,7 km in 8 Stunden ohne Strömung! Hardcore! Harakiri-Aktionen zwischen Last- und Kreuzfahrtschiffen. Später in drei durchsichtige Angelschnüre eineg’foarn und a Bootsgasse wie a Hochschaubahn. Dann endlich, wenn auch nur kurz, Strömung, den Bootsclub fast verpasst und die Strömung auffe fahren müssen. Die schweren Boote über eine Riesenbefestigung/Hügel (mein Mann sagt dazu „aztekische Pyramide“) auffe und umme zahen hat ma den Rest geb’n. Blasen an den Händen und Schmerzen im Schädel, Händen und Armen. Die Schmerztablette vorm Schlafengehen hat geholfen. Straubing anschau’n, essen gehen, neues Bier verkostet.

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Straubing – von Kanuclub aus

Der Typ vom Kanuclub is ur leiwand und findet, dass die österreichische Musik zur Zeit die beste Musik überhaupt ist.
Da es no weit nach Passau is und es morgen wieder schütten soll und die Zeit eigentlich scho rum is, scheiss ma drauf. Kultur-Etappen-Urlaub halt. Nächstes Jahr geht’s dann eben ab Straubing weiter.
Nachher gehma no in die Stadt, dann essen, dann zum Bahnhof und fahren nach Ingolstadt das Auto holen.
14_1500300Fazit der Flusswanderung:
Schöne Gegenden, interessante Städte und Menschen, Tier- und Pflanzenreichtum, super Essen, super Bier, super Bier, kaputtes und undichtes Zelt, schmerzende Hände, eigenartig gebräunt, undichtes Boot, sauheiss, dann nur Regen; der verkackte Scheissfluss is ein verkackter Scheisssee, Gegenwind. Streiten ohne Ende. Hätt‘ mi fast scheiden lassen. Gefährliche Strudel, Motorboote, Lastkähne, Schifffahrt, Drecksangler, Staustufen, Boote zahn, nervige Viecher (Gelsen, Wespen!, Bienen), zerstochene Beine.

Aber sonst eh leiwand!

Ahja, eins no: super Bier!